Martin Möhwald

Der Keramiker Martin Möhwald ist ein ganz Großer der zeitgenössischen Keramik.
Möhwald ist Mitglied einer künstlerisch hochbegabten Familie.

Sein Vater Otto Möhwald war Maler, seine Mutter Gertraud Möhwald, wie er, Keramikerin, ein Neffe ist der bekannte Schriftsteller Clemens Meyer. Während Gertraud Möhwald sich im Laufe ihrer Karriere figurativen Plastiken zuwandte, blieb der Sohn immer bei der Gefäßkeramik. Seine Objekte sind für den Gebrauch bestimmt. Um die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle lebt ein Kosmos kreativer und erfolgreicher Künstlerinnen und Künstler. Er ist dieser Stadt treu geblieben: vor und nach 1989, kehrte er von Symposien und Einzelausstellungen, die ihn unter anderem in die USA, nach China und Curaçao führten stets zurück und schuf seine einzigartigen Keramiken: Teekannen und Schalen, Vasen, Krüge. Er sagt: „Oft lasse ich meine Werkstatt so aussehen, also ob ich verreist bin. Ich will ja arbeiten.“

Was zeichnet seine Arbeiten aus? Möhwald macht Kunst, die alltagstauglich und schön für Sonn- und Feiertage ist. Seine Arbeiten sind zugleich auch Gebrauchsobjekte. Das mag auch daran liegen, dass er von 1970 bis 1972 seine Ausbildung zum Scheibentöpfer in den von Hedwig Bollhagen geleiteten HB-Werkstätten für Keramik in Marwitz absolvierte. Er schöpft allerdings keine Massenware, kein Stück gleicht dem anderen.

Einer seiner gestalterischen Wege liegt in der Verbindung graphischer Elemente mit den keramischen Objekten. So hat Möhwald eine Umdrucktechnik entwickelt, die es ihm erlaubt, Gedrucktes – Bilder, Muster, Schriftzeichen, Typographien – auf den Ton und unter die Glasur zu bringen. Dabei ist er graphisch-malerisch unterwegs. Seine Vasen und Teller erzählen stumme Geschichten – es sind darauf Bildspuren, meist Fragmente nur, die die zu lesen sind,auf Wege führen, der Erinnerung und Assoziation.

Ein anderer Aspekt seiner Arbeit ist die ungemeine Präzision. Allein das Heben und Wiedereinsetzen des Deckels einer Möhwaldkanne verführt zum Zelebrieren: die Fingerspitzen freuen sich, daß der runde Rand der Kanne so glatt und schmuck am Deckel schließt. Das Auge spielt mit: noch eine kleine Drehung und dann setzt sich Schrift oder Muster genau von Kanne auf Deckel fort. Oder soll es heute doch mal verdreht sein?

Es verwundert nicht, dass sein Künstlerfreund, der Hallenser Maler Rüdiger Giebler im Werkkatalog schreibt, dass die in den „goldenen Westen“ Gezogenen ihre Möhwaldkanne alle mitgenommen haben: „Die Möhwaldkanne ist der materialisierte Beweis: Es war ja nicht alles schlecht in Halle.“ Nein, es wohnt diesen Bild- und Tonspuren eine rätselhafte, eine magische Schönheit inne. Möhwald macht nicht viel Worte um seine Arbeit. Es scheint, dass er sie lieber tut und innerlich schmunzelnd die Bild- und Tonspuren legt: Wer mag, der kann die Rätsel lösen. Eine in Ton gefasste Spurenlese in Zeit, Wort, Bild und Raum. (Johannes Priesemann)

Biografie

1954 geboren in Halle
1970-72 Töpferlehre bei Hedwig Bollhagen in den HB-Werkstätten in Marwitz bei Velten, anschließend ein halbes Jahr als Geselle in Marwitz tätig
1973-74 Geselle im VEB Braun- und Kunst-Töpferei Bischofswerda
1974-77 Mitarbeit im Atelier von Gertraud Möhwald in Halle
1977 Kandidat im VBK/DDR
seit 1977 freischaffend in Halle tätig
1980 Mitglied im BBK/DDR
1990 Mitglied im Verband Kunst und Form e. V.
Mitglied BBK
2002 Mitglied AIC

Austellungen

Bautzen, Erfurt, Chemnitz, Suhl, Dresden, Leipzig, Cottbus, Halle, Hannover, Magdeburg, Berlin, Neubrandenburg, München, Saßnitz, Darmstadt, Bremen, Wernigerode, Rostock

Beteiligt an Ausstellungen in:
Moskau, Peking, Faenza, Vallauris, Tel Aviv, Philadelphia, Taiwan, Honolulu

Teilnahme an Symposien

1984 Keramik-Symposium in Römhild
1990 2. Leiter des Keramiksymposiums in Römhild
1992 Symposium im Clay Studio Philadelphia / USA
1993 Leiter des Keramik-Symposiums Römhild
1994 Symposium des Ohio Universität in Athens / USA
1997 Symposium in Laramy Wyoming / USA
2002 Symposium der Manoa University Honolulu Hawaii USA
2003 Porzellan-Symposium in Techentin, Mecklenburg
2003 Leiter Symposium im Künstlerhaus 188 in Halle/Saale

Auszeichnungen

1984 Förderpreis des Ministeriums für Kultur der DDR
1997 Gefäßpreis Bitterfeld
2002 Preis der Töpferstadt Bürgel